Projekt: Semiotics of the kitchen – 2009

Martha Roslers Videoperformance „Semiotics of the kitchen“ gilt als eines der herausragenden Werke feministischer Kunst der 70er Jahre. Die Thema der Frau hinter dem Herd wird aufgegriffen und zu einer Art Kampfansage und symbolischen Befreiungsaktion. Sie präsentiert in alphabetischer Reihenfolge typische Küchenwerkzeuge. Während sie die Schürze (Apron) noch bedächtig und in Harmonie anlegt wird das Messer (knife) schon als Stichwaffe verwendet. Aus den Buchstaben V, W, X, und Y werden militärische Posen gebildet. Das Z wird zum Abschluss mit dem Küchenmesser angriffig in die Luft geschlagen.

Das Konzept zu meinem Projekt „Semiotics of the kitchen – 2009“ besteht nun darin, diese Videoperformance möglichst genau nachzustellen. Statt einer Frau wird hier jedoch ein Mann in der Küche stehen und die Küchengeräte präsentieren. Zusätzlich entsteht eine Fotoreihe A-Z und eine Installation mit den Geräten.

Kochshows sind zur Zeit die großen Renner im TV. Locker und leicht wird gezeigt wie man mit Freude und ein wenig Zeit ein leckeres Essen zubereitet. Es fällt auf, dass diese Sendungen hauptsächlich männliche Köche zeigen. Jamie Oliver, Tim Mälzer, Johann Lafer, Alfred Biolek,… stehen für eine neue Generation des Kochens. Das Kochen wird männlich! – zumindest was das Fernsehen betrifft. Und ich meine, dass hat seine Gründe: bei einer Frau geht man, trotz einiger Jahrzehnte Emanzipation, davon aus, dass sie nicht „freiwillig“ hinterm Herd steht. Das alte Rollenbild von der Frau hinterm Herd sitzt noch tief und ist mit einem gewissen Zwang und der Kombination aus Karenz und Hausfrau verbunden. Außerdem wurde dieses Bild ein Anti-Symbol des Feminismus.

Wenn ein Mann zu kochen beginnt geht man davon aus, dass er das freiwillig macht und Spaß daran hat. Alles geht mit Zirkaangaben und ist locker und leicht. Und so wird auch in den Kochshows nur durch die Besetzung schon Freude am Kochen suggeriert. Natürlich wäre ein Mann hinterm Herd (oder in der Küche) zur Zeit Martha Roslers Videoperformance undenkbar (außer er ist hauptberuflich Koch) gewesen. So könnte man sagen, dass die Emanzipation der Frau den Mann in die Küche gebracht hat und das auch noch mit positiven Nebeneffekten.

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