Befragung: Gewalt in der Familie

Gestern wurde ich im Rahmen einer telefonischen Umfrage zum Thema „Gewalt in der Familie“ befragt. Nach anfänglichem Zögern habe ich daran teilgenommen – und die Befragung hatte es in sich.

Im ersten Teil wurde ich zum Gesetz gegen Gewalt an Kindern befragt. Ich sollte beantworten welche Arten von Gewalt in diesem Gesetz definiert sind. Darunter befanden sich: die g’sunde Watschen, Essen vorenthalten oder z.B. auch Fernsehverbot.

Im zweiten Teil wollte man von mir eine persönliche Beurteilung von erzieherischen Mitteln oder Gewalt in einer Abstufung von 1-5. z.B.: nicht mit dem Kind sprechen, Hintern versohlen, Beschimpfung, Prügel, im Zimmer einsperren, … Hier war schon interessant, dass man eine Einschätzung abgeben musste. Aus einer schwarz/weiß Malerei wurde ein graues Nebulus. Wobei ich denke, dass man z.B. Fernsehverbot durchaus als legitimes Bestrafungsmittel einsetzen kann. Physische Gewalt ist grundsätzlich abzulehnen und die psychische Gewalt befindet sich in einem Dickicht das von Verwahrlosung bis zum Verweigern von Belohnungen gehen kann.

Danach gab es noch eine abschließenden dritten Teil. Das ist auch der Teil, der mich aus künstlerischer Sicht am meisten interessiert. Hier wurde nach der Gewalt an mir in meiner Kindheit gefragt. Fernsehverbot, Prügel, Scheitelknien, Beschimpfung, … Im Zuge dieser Befragung, die immer mit Ja oder Nein zu beantworten war tat sich eine Welt auf, die eigentlich schon vergessen war. Wenn man sich entschließt auf diese Fragen wahrheitsgetreu zu antworten steigt man wieder einmal richtig tief in seine Geschichte hinab und ergründet sie. Und wenn man dann erkennt, dass das Eine oder Andere auch mir passiert ist, ist das schon erschreckend. Aber um das soll es auch in meiner Arbeit gehen. Das Erkennen Wer und Was man ist, wo man steht und wieso man da steht. Jeder hat seine Kindheit erlebt, ob mit oder ohne Gewalt. Was erschwerend beim Thema Kindheit dazu kommt ist, dass man nicht mehr eingreifen kann. Sie ist vorbei und die Erinnerung daran ist ein Teil von jedem. Man kann sich dem nicht entziehen, oder nur die guten Tage geschehen sein lassen. Und da Gewalt in der Familie ein Tabuthema ist werden so Geheimnisse und diese Geheimnisse werden zum eigenen Tabu. Aber wenn man heute noch jemanden berühren oder aufrühren will muss man zu solch starke Themen greifen, die, wenn sie richtig aufbereitet sind niemanden kalt lassen. Dass ist sicherlich schwierig, garantiert aber auch dann die dementsprechende Aufmerksamkeit.

Zum Abschluss des Telefonats erzählte mir die Befragerin, dass ich der Erste war, mit dem es möglich war den Fragebogen zur Gänze durchzugehen und dass es auch für sie richtig anstrengend und beklemmend war diese Fragen zu stellen.

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