Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?

Universum Magazin, April 2009

Zusammenfassung des Artikels in Schlagworten:

„In der Ordnung des Essens spiegeln sich komplexe Beziehungen: Freundschaft,
ansehen, Herrschaft, Macht“

Überfluss und Hunger

Kulturgeschichte einzelner Lebensmittel

Essen und Religion

Accessoires des Essens

Tafelschmuck und Essbesteck

Henkersmahlzeit

Schlaraffenland

„Die Esssitten und Mahlzeitenrituale, die geschmacklichen Vorlieben und
Peinlichkeitsschwellen, die Formen des gemeinsamen Essens und er Versammlung an
der Tafel sind Resultate sozialer Übereinkunst und individueller
Selbstdarstellung“

Etwa ein Sechstel der Weltbevölkerung isst mit Messer und Gabel, ein Drittel benutzt
Stäbchen und etwa die Hälfte isst mit den Fingern.

„Individualisierung der Esskultur“ – Man will nicht mehr mit dem Nachbarn aus demselben Krug
trinken, will auch mit dem Essen des Nachbarn nicht mehr in unmittelbare
Berührung kommen.

Während im bäuerlichen Milieu noch lange, zum Teil bis nach dem Zweiten Weltkrieg, aus
einer Schüssel gegessen wird, beginnt die Oberschicht immer mehr, sich durch
immer feinere Tischsitten, Menüs und Speiseaccessoires vom Volk abzugrenzen.

Betrachtet man etwa die Schlierbacher Bauernküche von vor 200 Jahren, sieht man, dass in
dieser Eigenversorgungerküche nichts Süßes vorkommt. Zugekauft wurde nur Salz
und etwas Germ, die Grundlage der Ernährung war Getreide. Der Verbrauch lag bei
mehr als 300 kg pro Kopf jährlich. Dazu kamen 300 Liter Milch, 15 kg
Butterschmalz und 5 kg Topfen. Der Fleischverbrauch hingegen lag bei nicht mehr
als 20 kg pro Jahr.

Mitte des 19. Jahrhunderts lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker
bei 1,2 Kilo. „Heute isst der durchschnittliche Österreicher 40 kg Zucker pro
Jahr“ Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Zuckerproduktion aus Zuckerrüben
entwickelt wurde, war Zucker – der als Rohzucker aus Übersee kann – ein
unerschwinglich teures Luxusprodukt gewesen. Danach wurde er der breiten
Bevölkerung zugänglich – und macht uns alle zu Naschkatzen.

Auch die Wichtigkeit des Essens scheint sich dramatisch verschoben zu haben: Im
durchschnittlichen Warenkorb des Österreichers sind der Anteil an Nahrungs- und
Genussmittel auf 12 Prozent abgesunken. Um die Mitte des 19. Jahrhundert lag er
bei nahezu zwei Dritteln, sprich über 60 Prozent der Ausgaben eines
Einkommensbeziehers wurden fürs Essen aufgewendet. Sollte das Essen unwichtig
geworden sein? Essen wir weniger? Nein, im Gegenteil.

Vor allem aber gilt: Wo Überfluss herrscht, ist Wohlgenährtheit eine Selbstverständlichkeit.
Übergewicht wird zum Problem. Das Ideal der Schlankheit tritt als neue
Schönheitsvorstellung auf den Plan. In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten
hat die Ideologie der Schlankheit endgültig gesiegt, wenn auch – wie Massimo
Montanari gestellt – unter bemerkenswerten Widersprüchen: „Denn mehr als einer
täglichen Praxis sind die ‚Diäten’ einer tagtäglichen Diskussion unterworfen –
vorzugsweise bei Tisch. Doch kann nicht geleugnet werden, dass sich auf
kultureller Ebene das Verhältnis zur Nahrung umgekehrt hat. Die Gefahr und die
Angst vor dem übermäßigen Essen haben die Gefahr und die Angst vor dem Hunger
abgelöst.“

Landesausstellung OÖ – „Mahlzeit!“, Stift Schlierbach, 29. April bis 2. November
Food-Film-Festival Schlierbach
Essen und Trinken im Freiluftkino

Einen absoluten Höherpunkt im abwechslungsreichen und faszinierenden
Rahmenprogramm der Landesausstellung 2009 bietet das sogenannte
„Food-Film-Festival“. An insgesamt 10 Samstagen, beginnend mit 04. Juli wird jeweils um 21.15
Uhr im zweiten Innenhof des Stiftes Schlierbach unter freiem Himmel ein
Kinofilm gezeigt, der den Themenkomplex „Essen und Trinken“ zum Inhalt
hat. Die Bandbreite reicht von humoristischen und satirischen Filmen bis hin zu ernsthaften und kritischen.
Eintritt: 5.-
Bei Schlechtwetter werden die Filme im Theatersaal Schlierbach gezeigt.
Infos unter Tel.: +43/720/300 305-0

Sa. 4. Juli 2009
HOW TO COOK YOUR LIFE

Sa. 11. Juli 2009
UNSER TÄGLICH BROT

Sa. 18. Juli 2009
SUPER SIZE ME

Sa. 25. Juli 2009
SIDEWAYS

Sa. 8. August 2009
DARWIN´S NIGHTMARE

Sa. 15. August 2009
EDEN

Sa. 22. August 2009
PRANZO DI FERRAGOSTO

Sa. 29. August 2009
RATATOUILLE

Sa. 5. September 2009
CHOCOLAT

Sa. 12. September 2009
WE FEED THE WORLD

FOOD DESIGN

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