Ivan Moudov läßt es kreiseln

Kunstaspekte , Kunstverein Braunschweig

DER STANDARD – Bericht

Kreisverkehr für Kunstaktion blockiert
In den Genuss einer Kunstaktion kamen Montagabend Autofahrer in Anif (Flachgau). Ein Künstler ließ sechs Autos zehn Minuten lang in einem Kreisverkehr fahren – und blockierte damit den kompletten Straßenverkehr. Herausfinden, wie Leute auf Stau reagieren
Anschließend meinte der 33-jährige bulgarische Künstler, Ziel der Kunstaktion sei es herauszufinden, wie Leute bei einem künstlich eingeleiteten Stau reagieren. Er wurde bei der Aktion beim Maximarkt-Kreisverkehr vom Salzburger Kunstverein unterstützt.Der Stau wurde von Helfern von allen Seiten fotografiert. Gegenüber der Polizei betonten Kunstvereins-Vertreter, dass der 33-Jährige mit diesen Aktionen international großes Ansehen erworben habe.

250 Euro Strafe
Allerdings gab es für die Aktion keine Bewilligung der Bezirkshauptmannschaft. Deshalb musste der 33-jährige bulgarische Künstler 250 Euro Sicherheitsleistung bezahlen.

Drei der Autolenker, die den Kreisverkehr blockiert hatten, wurden ausgeforscht. Sie werden angezeigt.

Meinungen

Aus: SPIKE:  ART GUIDE OSTEUROPAarrow Sofia, Bulgarien (2007)

Auch Ivan Moudov (*1975) ist heuer auf der Biennale in Venedig vertreten. Für seine Arbeit »Traffic Control«, die auf die willkürlichen Machtverhältnisse in Bulgarien anspielt, »regelte« Moudov, als Verkehrspolizist gekleidet, an einer Kreuzung in Graz den Verkehr, bis er von der örtlichen Polizei festgenommen wurde. Die Manipulation des Staßenverkehrs ist häufiger Bestandteil seiner Aktionen. So fährt er etwa in seinem Video »1 Hour Priority« (2002) eine Stunde in der Rushhour in einem Kreisverkehr in Sofia. Seine Arbeiten sind vor allem dadurch charakterisiert, dass sie subversiv Realität und Kunst miteinander verweben. Sie erinnern nicht zuletzt an Performancekünstler wie Jí_i Kovanda, der in den siebziger Jahren mit Minimaleingriffen wie Augenkontakt mit Passanten arbeitete, Moudov wird von Kritikern als Post-Konzeptualist bezeichnet, und das ist insofern interessant, als Bulgarien keine konzeptualistische Tradition aufweisen kann. Seine Arbeit »Wind of Change« zeigte der Künstler 2005 auf der Biennale in Moskau. Auf dem Dach des Lenin Museums hatte Moudov eine Windmaschine installiert, die Energie lieferte, um die Überwachungskameras im Inneren mit Strom zu versorgen. Wenn es allerdings keinen Wind gibt, gibt es auch keine Bilder auf den Überwachungsmonitoren, und die Kunstschätze sind dem Risiko von Vandalismus und Raub ausgesetzt. Eine Persiflage auf die korrupten Systeme, die ihr »Fähnchen nach dem Wind« drehen.


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