IMOGEN STIDWORTHY

Imogen Stidworthy (* 1963 in London, Großbritannien), lebt in Amsterdam und Liverpool. Sie ist eine ein britische Video- und Filmkünstlerin.

Stidworthy studierte von 1992 bis 1994 an der Jan van Eyck Akademie in Maastricht, Niederlande und von 1984 bis 1987 am West Surrey College of Art and Design in England. Akustik und Sprache und deren physische Umsetzung und Beziehung zum menschlichen Körper spielen eine zentrale Rolle in den Arbeiten von Imogen Stidworthy.

Die Künstlerin war von 2001 bis 2002 Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Im Jahr 1996 erhielt sie den Prix de Rome für Film und Video in den Niederlanden. Seit 2002 existiert von ihr eine Permanente Videoinstallation als Kunst im öffentlichen Raum („am Bau“) – Projekt in Murau in Österreich. Imogen Stidworthy wurde als teilnehmende Künstlerin zur documenta 12 im Jahr 2007 in Kassel berufen. -> WIKIPEDIA

Imogen Stidworthy
Imogen Stidworthy

livedocumentation: Frau Stidworthy, Sie stellen in diesem Jahr erstmals auf der documenta aus. Worum geht es in Ihrer Installation?

Imogen Stidworthy: Also, ich habe eine Installation aus mehreren Elementen geschaffen, die sich mit Sprechen und Sprache befasst und mit der Beziehung zwischen Sprache und Bild. Es geht besonders um die Beziehungen zwischen Sprache und Selbstverständnis. Meine Installation zeigt einen sehr intimen Prozess zwischen einer Sprachtherapeutin und einem Mann namens Edward Woodman. Er leidet an einer Gehirnschädigung, die sich auf das Sprachzentrum auswirkt. Vor sieben Jahren hatte er einen Unfall. Er lernt jetzt wieder, Wörter verständlich auszusprechen.

livedocumentation: Es sind auch Fotos des Londoner Bahnhofs King’s Cross zu sehen, die Edward Woodman gemacht hat. Was hat es damit auf sich?

Stidworthy: Als ich in seinen Therapiesitzungen saß und seine Fotos ansah, habe ich eine sehr interessante Beziehung zwischen den Tönen und Wortformen, an denen er arbeitet, und dem Prozess von Abriss und Wiederaufbau auf der Baustelle entdeckt. Edward versucht, Töne und Worte zu perfektionieren. Das ist ein sehr körperlicher Vorgang. Er artikuliert sehr genau. In der Installation gibt es also eine Reihe von Elementen, die alle gewissermaßen Fragmente von etwas darstellen, das wahrscheinlich nicht ganz sein kann. Das einzige, was die einzelnen Elemente vervollständigen kann, ist die Verbindung unter ihnen. Der Betrachter muss diese Verbindung herstellen. Und das ist eine Reflektion der Erfahrungen, die Edward gemacht hat und die jeder von uns macht, wenn Sprache zu zerbrechen beginnt.

livedocumentation: Warum zeigen sie Herrn Woodman, wie er “I hate” (Ich hasse) sagt?

Imogen Stidworthy: I Hate, Media installation 2007
Imogen Stidworthy: I Hate, Media installation 2007

Stidworthy: Weil es ein so einmaliger, starker, definierbarer Satz ist. Hört man die Wiederholung des Wortes, sieht man, wie es ein körperliches Objekt zwischen der Sprachtherapeutin und Edward wird. Man fühlt sehr schnell, dass die Definition, die man mit diesem Wort verbunden hat, instabil wird. Schließlich beginnt sie, zu verrutschen. Es fängt an, alle möglichen unterschiedlichen Dinge zu bedeuten.

livedocumentation: Wann haben Sie begonnen, sich mit Sprache und der Frage auseinanderzusetzen, was passiert, wenn man seine Sprache verliert? Und warum haben sie damit begonnen?

Stidworthy: Ich habe wahrscheinlich 1992 damit begonnen, als ich England verließ und begann, in Holland zu studieren. Ich ging dorthin und stellte meine eigene Art, über meine Arbeit zu sprechen, zunächst einmal in Frage. Da wurden mir die Symptome einer nicht zufriedenstellenden Sprache deutlich bewusst. Ich konnte zwar über meine Arbeit sprechen und es schien auch eine schlüssige Geschichte zu sein, aber es fühlte sich nie so an, als würde ich wirklich den Nagel auf den Kopf treffen. Der Umzug in einen fremden Sprachraum, raus

Imogen Stidworthy: I Hate, Media installation 2007
Imogen Stidworthy: I Hate, Media installation 2007

aus meinem kulturellen Zusammenhang, setzte einen Prozess des In-Frage-Stellens in Gang. Ich stellte meinen persönlichen Sprachgebrauch in Frage aber auch weit gefasste kulturelle Bräuche, Bedeutungen und Werte, die an Artikulation gebunden sind.

livedocumentation: Ist es das, was Sie auch den Besucher fühlen oder erleben lassen wollen?

Stidworthy: Ich denke … sicherlich zu einem gewissen Grad. Es ist aber etwas, das wir alle ohnehin erleben. Wir erleben es jedesmal, wenn wir ins Ausland gehen. Wir erleben es, wenn wir den Faden verlieren oder wenn uns ein Wort zu einem Gedanken nicht einfällt. Wir erleben es, wenn wir wieder und wieder über das nachdenken, was jemand gesagt hat. Dann beginnen wir zu erkennen, dass etwas plötzlich viele verschiedene Bedeutungen haben kann und dass man an feste Bedeutungen und feste Identitäten nicht mehr glauben kann. Man kann ihnen nicht mehr vertrauen. ->->.

Imogen Stidworthy, The Whisper Heard, 2003 (installation view)
Imogen Stidworthy, The Whisper Heard, 2003 (installation view)

Beschreibung der Arbeit „I hate“->

Imogen Stidworthy on E-flux ->

Also: Biennial Venice – Pavillon of Serbia – Katarina Zdjelar – “But If You Take My Voice, What Will Be Left To Me?

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