DER MANN SCHLÄFT

In dem Roman „Der Mann schläft“ beschreibt Sibylle Berg, wie sich in einer „ruhigen Paarbeziehung“ erste Risse auftun. Eine Reise, bei der der Partner verschwindet, beendet die späte Liebe und führt in neuerliche Einsamkeit.

Die Dinge bleiben in Schwebe, und das ist gut so, auch was die Möglichkeit eines guten Ausgangs betrifft. Denn „Der Mann schläft“ ist nur vordergründig die Geschichte einer späten Liebe, tatsächlich ist es auch diesmal eine generalstabsmäßige Abrechnung mit unseren Lebensformen und Werthaltungen. Die scheinbar unendlichen Freiheitsgrade entpuppen sich als unerfüllbare Flexibilitätsanforderungen, die zu permanenten Neupositionierungen zwingen und alle und jeden überfordern. Und der Roman ist auch eine Parabel auf den Verlust eines vernünftigen Umgangs mit Lebensaltern; dem Warten auf die Befreiung durch das Erwachsenwerden ist gewissermaßen nur das Altern gefolgt, das es zudem noch so lange wie möglich zu verbergen gilt. ■

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 24.10.2009)

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