NEUE WERTE FÜR ARBEIT?


Aus: Magazin „kulturkontakt“ Winter  2009/10

Quergeredet

Die Diskussionsveranstaltung am 21.10. (Audiofiles) benötigte keine lange Anlaufzeit, um in Schwung zu kommen. Slavko Gaber, slowenischer Soziologe und ehemaliger Bildungsminister des Landes, stellte in seinem einführenden Vortrag provokante Thesen vor. Die Gesellschaft müsse ihr Verhältnis zur Arbeit grundlegend ändern, forderte der sich selbst so bezeichnende »achtziger Jahre Intellektuelle.« Unter Berufung auf Autoren wie Jeremy Rifkin und Andre Gorz erklärte Slavko Gaber, dass der technische Fortschritt es möglich aber auch notwendig mache, über Arbeit grundsätzlich neu nachzudenken. Das jetzige System führe nur zur Erschöpfung der natürlichen Ressourcen ebenso wie des Menschen. Wir könnten Zeit »zurückhaben«, wenn wir die Errungenschaften des wissenschaftlich-technischen Fortschritts besser verteilen. Dazu gehört auch, so Gaber, dass wir wieder zwischen wirklich freier Zeit und der Ausdehnung der Arbeit in die »freie« Zeit unterscheiden Gabor grenzte sich in diesem Zusammenhang von den Versprechungen der Kreativwirtschaft ab, indem er meinte, es dürfe auch wieder gefaulenzt werden. Heutzutage, da viele Diskussionen über »Wandel« einen apokalyptischen Unterton annehmen, war dies eine erfrischende Klarstellung. Doch wie das in die Realität umsetzen? Viele der Teilnehmer, ob am Panel oder imPublikum, standen Gabers Forderungen positiv gegenüber, glaubten aber nicht an ihre Realisierbarkeit.

Die Arbeitskraft wird heute wieder intensiver genutzt als in der langen Aufschwungsphase der Jahrzehnte nach dem ZweitenWeltkrieg. Der Abbau der Industrieproduktion hat die Macht der Arbeitnehmer zurückgedrängt. In vielen Bereichen hat die Beschäftigung prekäre Formen angenommen, ob in neuen, gewerkschaftlich kaum erfassten Niedriglohnsektoren oder in den Kultur- undWissensberufen, die auf lebenslanges Praktikantentum und unbezahlte Freiwilligenarbeit hinsteuern. Während bei KulturKontakt Austria diskutiert wurde, begannen gerade die Studentenproteste für freie Bildung an der Universität Wien. Dieser Nexus zwischen der Zukunft der Bildung und der Zukunft der Arbeit ist eine der wichtigsten Schnittstellen, wo darüber entschieden wird, ob wir eine nachhaltige Wissensgesellschaft aufbauen oder von einer Krise in die nächste stolpern werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s