DAS PHÄNOMEN STOTTERN

Das Phänomen Stottern ist seit über zweitausend Jahren bekannt. Über keine andere Kommunikationsstörung wurde wohl so viel geschrieben. Trotzdem sind die Gründe für Redeflussstörungen wie Stottern noch nicht wirklich geklärt. Laut den Ergebnissen eines Wiener Wissenschaftlerteams ist Stottern eine neurologische Störung.Die Wissenschaftler rund um Stefan Thurner von der „Complex Systems Research Group“ an der HNO-Abteilung des Wiener AKH ließen sowohl eine Gruppe von normal sprechenden Personen wie auch stotternde Menschen vorgegebene Worte laut lesen.Dabei wurde ihre Gehirnaktivität von einem Magnetenzephalographen gemessen. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die nicht stotternden Probanden weisen kurz vor dem Formulieren eines Wortes eine extrem hohe Sensibilität des Gehirns besonders im Sprechzentrum auf. Diese Aktivität fehlt bei den Stotterern fast völlig.

Das Bereitschaftspotenzial
Die Wissenschaftler bedienten sich bei ihrer Studie eines physiologischen Phänomens. Bruchteile von Sekunden, bevor ein Mensch eine Handlung setzt, bereitet das Gehirn diese Handlung schon vor. Experten nennen eine solche blitzartige Gehirnaktivität „Bereitschaftspotenzial“. Es ist nur wenige Millionstel Volt groß. Von einem Magnetenzephlographen gemessen, erscheint es am Computerbildschirm als Kurve. Je höher die Amplitude der Schwingungen, desto höher die Gehirnaktivität.

Erstes konkretes Ergebnis
Seit 150 Jahren wird nach den Ursachen des Stotterns gefahndet. Theorien gab es dazu viele. Doch die Entdeckung, dass es Unterschiede in der Gehirnaktivität zwischen Stotterern und Nicht-Stotterern gibt, ist erstmals eine handfeste und wissenschaftlich belegte Erklärung für die Redeflussstörung.Die Forscher hoffen nun, dass sich auf dieser Grundlage auch effizientere Therapiemöglichkeiten entwickeln lassen.

Die Therapie – Ein Suchspiel
Über die Jahrzehnte wurde eine Menge verschiedenster Therapiemethoden für Betroffene entwickelt. Auch mentales Training, Entspannungs- und Atemtechniken, medikamentöse und psychologische Unterstützung kommen zum Einsatz.Welches die geeignete Vorgehensweise für jeden individuellen Stotterer ist, wird von den Logopäden meist erst nach und nach herausgearbeitet. Aufgrund der neuen Erkenntnisse über die Ursache des Stotterns könnte nun – so hoffen die Wissenschaftler – eine gezielte, allgemeingültige Therapie gegen die Sprechstörung gefunden werden.

Enttabuisierung tut not
Die bislang ungeklärten Gründe für das Stottern waren Nährboden für alle möglichen Vorurteile gegen die Betroffenen. Traumatische Kindheitserlebnisse wurden irrtümlich oft als Auslöser angenommen. Häufig werden Stotterer als schlicht dumm abgetan.In Wirklichkeit verschlimmert sich ihr Handicap durch dessen Tabuisierung. Stotterer verlieren meist enorm an Selbstbewusstsein, meiden Gesellschaft und ziehen sich zurück. Der erste Schritt zur Therapie ist daher bereits getan, wenn sich die Betroffenen dazu entscheiden, ihr Stottern nicht mehr zu verstecken.

Eine lebenslange Auseinandersetzung
Eine logopädische Behandlung bringt häufig eine schnelle Verbesserung des Redeflusses mit sich. Doch eine lebenslange Auseinandersetzung, das eigene Umgehen mit dem Stottern, bleibt den Betroffenen nicht erspart.

Stottern: Ein weltweites Phänomen
Gestottert wird in jedem Land, in jeder Sprache, in jeder Kultur in allen gesellschaftlichen Lebenslagen und Situationen. Insgesamt stottert etwa ein Prozent der Weltbevölkerung, in Österreich sind es rund 80.000 Menschen – jeweils viermal mehr Burschen als Mädchen.Dank der Studienergebnisse der Wiener Forschergruppe gibt es neben all diesen statistischen und empirischen Daten nun erstmals auch eine Antwort auf die Frage, woher das Stottern kommt.Rike Fochler, Modern Times Gesundheit

Verband der diplomierten LogopädInnen für Wien, NÖ und das Burgenland  Bundesverband Diplomierte Logopädinnen Österreich

Österreichische Selbsthilfe Initiative Stottern (www.stotter-infoseiten.de)

Informationen über das Stottern

Stottern der gestörte Redefluss (28.10.02)

80.000 Österreicher stottern (04.05.01)

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